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Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten: âRumĂ€nien â Sorgenkind der EU oder verkanntes Potentialâ
Zur Vorbereitung der diesjĂ€hrigen Fahrt der AG Balkan nach RumĂ€nien lud die JEB am 7. Juli zu einer Podiumsdiskussion mit Abgeordneten der deutsch-rumĂ€nischen Parlamentariergruppe des Bundestages ein. In der gut besetzten Galerie wurde ĂŒber die Herausforderungen in der KorruptionsbekĂ€mpfung, die Lage der Minderheiten in RumĂ€nien und die VorzĂŒge von rumĂ€nischem Pfirsichschnaps diskutiert.
Manuel Sarrazin stellte dabei das âPotenzial fĂŒr grĂŒne Politikâ an den Beginn seiner AusfĂŒhrungen. Obwohl RumĂ€nien wegen umweltpolitischer Probleme hier zahlreiche AnknĂŒpfungspunkte biete, seien die zahlreichen grĂŒnen Parteien im Land leider nur âsektenĂ€hnliche Gruppierungenâ. Korruption sei definitiv ein groĂes Problem, dem jedoch tiefergehende Verwerfungen in der politischen Kultur zugrunde lĂ€gen. Die EU hĂ€tte hier im Zuge der Beitrittsverhandlungen mehr Fortschritte fordern mĂŒssen, nun fehlten die Druckmittel.
Kollege Fritz stimmte dieser Analyse weitgehend zu und hob vor allem auf die negative Wahrnehmung RumĂ€niens in der deutschen Ăffentlichkeit ab. Diese sei zu Unrecht von negativen Klischees wie KriminalitĂ€t, Korruption und Umweltkatastrophen geprĂ€gt. Dabei habe RumĂ€nien viel zu bieten: eine phantastische Naturlandschaft, ein groĂes kulturelles Erbe, eine solide industrielle Basis und viele gut ausgebildete ArbeitskrĂ€fte, vor allem in der Automobilindustrie.
Dann war es Zeit fĂŒr die ersten Fragen aus dem Publikum: Wie ist die Lage der Minderheiten im Land? Könnte Moldawien bald Teil RumĂ€niens werden? Und wann bekommt RumĂ€nien eigentlich die volle ArbeitnehmerfreizĂŒgigkeit in der EU?
Erich G. Fritz erlĂ€uterte, dass der befĂŒrchtete âSchwall aus dem Ostenâ nach dem Ende der Ausnahmeregelungen fĂŒr Arbeitnehmer aus Polen und anderen LĂ€ndern Anfang 2011 ausgeblieben sei. Dies sei auch im Falle RumĂ€niens 2014 zu erwarten. Ein Zusammengehen von RumĂ€nien mit Moldawien wiederum werde von Russland und der Ukraine verhindert. Vorrangig sei eine Lösung fĂŒr das Gebiet Transnistrien, das von Russland als Faustpfand benutzt werde. Moldawien brauche eine europĂ€ische Perspektive und mĂŒsse voll in die EuropĂ€ische Nachbarschaftspolitik integriert werden, stimmte auch Manuel Sarrazin zu.
Zur Lage der Minderheiten verwies er auf den Unterschied zwischen Verfassungsrecht und âpraxis, wonach insbesondere die Sinti und Roma im Land im Alltag unter Fremdenfeindlichkeit zu leiden hĂ€tten. Dies sei auch auf das Erbe der sozialistischen Kultur zurĂŒckzufĂŒhren, in der diese Gruppen einen schweren Stand gehabt hĂ€tten.
Die jeweiligen ParteifĂŒhrer hĂ€tten derart hĂ€ufig die politischen Lager gewechselt, dass ihnen jede GlaubwĂŒrdigkeit abhanden gekommen sei. Die Möglichkeiten, von auĂen â etwa durch politische Stiftungen âhierauf einzuwirken, schĂ€tzten beide als Ă€uĂerst gering ein. Als gröĂtes Problem der noch etwa 60.000 Menschen zĂ€hlenden deutschen Minderheit nannte Fritz Ăberalterung; dennoch habe sie ihren Einfluss erstaunlich gut bewahren können.
Im Agrarsektor sahen beide Abgeordneten groĂes Potential fĂŒr deutsche Investoren, was auch der veralteten und unterfinanzierten rumĂ€nischen Landwirtschaft weiterhelfe â âkrass Bio ist jetzt die Chanceâ, wie Manuel Sarrazin es formulierte. |
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