Junge Europäische Bewegung Berlin Brandenburg
 

 
AG Balkan: Gespräch mit Boris Zujko

 

Die Serbien-Reisegruppe der JEB führte am 22. Juni ein sehr spannendes und ergiebiges Gespräch mit dem serbischen Politaktivisten und Prenzelberger Boris Zujko in „Mein Haus am See. Boris, der gerade seine Soziologie Doktor-Arbeit abschließt, erzählte von 75 Prozent Serb/innen, die das Land noch nie verlassen haben, aber 80 Prozent Studierende, die sagen sie wollten das Land nach dem Studium verlassen.

 

22. Juni 2010, "Mein Haus am See"

 

Grundlage für seine Doktorarbeit zum Wertewandel in Serbien in den 80ern waren zahlreiche Interviews, die er im ganzen Land geführt hat. „Die EU wird verbieten, dass ich mein Schwein im eigenen Hof schlachten kann“, war eine der Antworten darauf, was von einem EU-Beitritt zu erwarten sei. Menschen hätten oft kein Vertrauen, keine Ahnung, gar keine Vorstellung von der EU. Angesichts des größeren Reichtums in EU-Staaten hielten sich Serben oft für moralisch besser.

 




Der Wertewandel in Serbien in den 80ern, also nach dem Tod Titos, der Jugoslawien zuvor als Diktator zusammen gehalten hatte, begann nicht zuletzt mit einer Gruppe über 100 Intellektueller der serbischen Akademie der Künste und Wissenschaften, die 1986 ein „Memorandum“ veröffentlichten. Darin wurde die Unterdrückung Serbiens durch Titoismus und die anderen Teilrepubliken beklagt, das Land sei vor allem Opfer in Geschichte und Gegenwart. Boris wies in biographischen Berichten seiner zufälligen Interview-Partner/innen nach, wie dieser Opfer-Mythos bis in die Lebensgeschichten als klarer Bruch hineinwirkt. Die jugoslawische Realität freier Grenzen innerhalb und Visa-freie Reisen jenseits des Landes, zwei Millionen ethnisch gemischte Ehen waren plötzlich hinfortgefegt. Nicht mehr die kommunistischen Partisanen im Kampf gegen die Nazis sind heute die Helden der serbischen Geschichtsbücher, sondern die Cetniks. Sie hatten als erste Partisanen des Zweiten Weltkriegs ebenfalls gegen die Nazis gekämpft, später im Bruderkrieg mit den kommunistischen Partisanen aber auch oft Bündnisse mit Nazis und faschistischen Italienern geschlossen.

 

Laut aktuellen Umfragen sähen die Menschen alle Nachbarn Serbiens als Feinde, bester Freund seien Japaner – mutmaßlich wegen einigen gespendeten Bussen und der Freiheit von kollidierenden Interessen. Die spannendste aktuelle Nachricht im Verhältnis zu Deutschland sei der Rückzug der WAZ-Mediengruppe. Ihr Vertreter, der frühere deutsche Regierungsbeauftragte Bodo Hombach, hätte öffentlich erklärt, die Gruppe fühle sich „nicht willkommen“.


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AG Balkan der JEB






Mehr dazu

 

 Partisanenkrieg in Jugoslawien

 

 Interview zum Memorandum

 

 


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